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Einzelsport Jugend  

Deutsche Jugend-Meisterschaften 15: Fünf Medaillen für den HTTV

Lorena Morsch schrammt im Einzel knapp an der Titelverteidigung vorbei

Neben der Silbermedaille im Einzel gab es für Lorena Morsch Gold im Doppel. ©Dr. Stephan Roscher

Für die Jugend der Alterskategorie bis 15 ging es am Wochenende um Titel und Medaillen bei den Deutschen Meisterschaften. In der Kocherwaldhalle im baden-württembergischen Bad Friedrichshall wurden die Wettbewerbe im Einzel, Doppel und Mixed ausgespielt. Insgesamt waren je 48 Jungen und Mädchen am Start. Der HTTV stellte mit neun Mädchen und fünf Jungen so viele Teilnehmer wie lange nicht mehr und unterstrich mit diesem nicht nur von der Quantität, sondern auch von der Qualität gewaltigen Aufgebot seinen Anspruch auf einen Platz unter Deutschlands führenden Tischtennis-Landesverbänden.

Favoritenrolle im Mädchen-Bereich

Bei den Mädchen waren Josephina Neumann, Lorena Morsch, Sienna Stelting, Denisa Cotruta, Lana Rack, Amelie Guzi Jia, Patricia Bresic, Sophie Krießbach und Galyna Shkalenko am Start, bei den Jungen Tom Wienke, Simon Michahelles, Florian Hans, Ben-Luca Köhler und Jannes Dettmar. Bei den Jungs waren die Erwartungen auf Edelmetall nicht allzu hoch, anders bei den Mädchen, wo mit Titelverteidigerin Lorena Morsch, die für den Zweitligisten TSV Langstadt II aufschlägt, und der topgesetzten Erstligaspielerin Josephina „Josi“ Neumann (ttc berlin eastside/TV Okarben) absolute Spitzenkräfte unter den Teilnehmerinnen waren. Die Hoffnung auf drei Goldmedaillen war im Vorfeld groß. Als größte Konkurrentin der beiden Hessinnen wurde das zwolfjährige Zweitliga-Ass Koharu Itagaki (SV SCHOTT Jena/TSV Bad Königshofen), Gewinnerin des Top 12-Bundesranglistenfinales im Februar, angesehen. Insgesamt war das Aufgebot des Hessischen Tischtennis-Verbandes in Bad Friedrichshall jedenfalls enorm groß und leistungsstark, bei einem alles in allem qualitativ noch besseren Teilnehmerfeld als vor einem Jahr in Wiesbaden.

Unter den Verbandstrainern Tobias Beck und Katharina Sabo war ein achtköpfiges Trainer- und Betreuerteam des HTTV unermüdlich am Rande der Bande im Einsatz. Die Delegationsleitung oblag dem HTTV-Ressortleiter Jugendsport Reiner Richardt-Stock. Alle machten einen tollen Job.

Zunächst wurde am Samstag in den Einzelwettbewerben in Gruppen gespielt, erst dann folgte die K.o.-Phase. Das Mixed-Finale ging noch am Samstagabend über die Bühne, die Endspiele in den Einzeln und Doppeln wurden am Sonntag ab 13:15 ausgetragen.

Jungen-Turnier: Der große Wurf gelingt nicht, Wienke und Dettmar mit soliden Leistungen

Im Jungen-Einzel schieden drei Hessen bereits in der Gruppenphase aus. Dieses Schicksal ereilte als Gruppenvierte Simon Michahelles (TTV GSW) und Florian Hans (SG Marbach) sowie als Gruppendritten Ben-Luca Köhler (TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell), während Jannes Dettmar (TG Langenselbold) und Tom Wienke (TSV Nieder-Ramstadt) als souveräne Sieger ihrer Gruppen weiterkamen. Dettmar schied im Achtelfinale nach einem Fünfsatz-Krimi gegen Alexander Sahakiants (TV Refrath/WTTV) aus, während Wienke nach zwei gewonnenen Matches in der K.-o.Runde schließlich im Viertelfinale gegen den späteren Finalisten Matej Haspel von der SV DJK Kolbermoor ziemlich glatt in drei Sätzen den Kürzeren zog.

Turniersieger wurde WTTV-Ass Noah Hersel (1. FC Köln), der im Mixed prächtig mit Josi Neumann harmonierte und auch dort zu Titelehren kam.

Im Jungen-Doppel schafften es Tom Wienke und Jannes Dettmar bis ins Viertelfinale, wo sie eine 1:3-Niederlage gegen die schleswig-holsteinisch-badische Formation Jalaß/Phong hinnehmen mussten. Der Wettbewerb ging an die beiden dominierenden Jungen im Teilnehmerfeld, nämlich an den dreifachen Titelträger Noah Hersel und Matej Haspel (WTTV/BYTTV). Mit dem Triple und konstant herausragenden Leistungen avancierte Hersel ganz eindeutig zum Spieler des Turniers.

„Ich bin sehr zufrieden und habe ein gutes Ergebnis erzielt“, so HTTV-Spieler Ben-Luca Köhler, auch wenn er die K.-o.-Phase diesmal noch verfehlte. „Bälle, die ich im Training geübt habe, sind auch im Wettkampf gekommen. Ich habe mir für die nächsten Turniere vorgenommen, weniger zu meckern und aggressiver zu spielen. Ich freue mich mit diesen Erkenntnissen auf die nächsten Trainingseinheiten.“

Mixed-Gold für Josi Neumann, Bronze für Morsch/Wienke

Noah Hersel und Josi Neumann waren das dominierende Gespann im Mixed-Wettbewerb und trugen sich nach einem letztlich nicht wirklich gefährdeten 3:1 über die bayerische Formation Matej Haspel/Koharu Itagaki in die Siegerliste ein – der erste nationale Meistertitel für die Okarbenerin, dem tags darauf ein weiterer im Doppel folgen sollte. Im Halbfinale hatte das ebenfalls stark spielende Hessen-Duo Lorena Morsch/Tom Wienke gegen Haspel/Itagaki den Kürzeren gezogen.

„Im Grunde bin ich zufrieden“, bekundete Tom Wienke nach dem Turnier, der somit immerhin eine Medaille mit nach Hause nahm. „Nach einem guten Spiel gegen Galatiltis war leider Schluss im Viertelfinale gegen Haspel. Ich habe nicht das gespielt, was ich spielen wollte, aber werde weiter an mir arbeiten. Die Medaille im Mixed mit Lorena Morsch ist aber sehr erfreulich.“

Mädchen-Wettbewerbe als HTTV-Highlight, doch ohne Happyend im Einzel

Mit großer Spannung und einer gewissen Vorfreude waren beim HTTV die Mädchen-Wettbewerbe erwartet worden - schließlich schien dort zweimal Gold nicht nur möglich, sondern sogar eine realistische Prognose zu sein. Im Einzel klappte das leider nicht ganz.

Doch zunächst einmal überstanden die meisten Teilnehmerinnen die Gruppenphase unbeschadet. Josi Neumann, Lorena Morsch und die Langstädterin Sophie Krießbach zogen als Gruppensiegerinnen ins Hauptfeld ein, Sienna Stelting und Galyna Shkalenko (beide TTC Salmünster) managten dies ebenso als Gruppenzweite wie Denisa Cotruta (TTC Langen) – für alle drei ein feiner Erfolg. Lediglich für die 13-jährige Patricia Bresic vom TTC Langen, die zum ersten Mal an den „Deutschen“ teilnahm und in der Gruppe mit Itagaki, wohl auch der Nervosität geschuldet, ziemlich chancenlos geblieben war, sowie für Amelie Jia (TSV Langstadt) und Lana Rack (TTC Salmünster) reichte es nicht zum Einzug in das K.o.-Feld. Jia und Rack verkauften sich aber teuer und waren als Dritte ihrer Gruppen nach engen Matches nicht weit vom zweiten Platz entfernt, der bekanntlich das Weiterkommen bedeutet hätte. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, an den Deutschen Meisterschaften teilzunehmen, und ich möchte bei den nächsten Deutschen unbedingt wieder dabei sein“, versicherte Lana Rack dennoch, die keineswegs enttäuscht auf das unglückliche Ausscheiden reagierte.

Stelting und Cotruta mit guten Leistungen, Krießbach nicht ganz zufrieden

Denisa Cotruta hatte großes Pech und verlor ihr Erstrundenspiel nach 2:0-Satzführung noch mit 11:13 im Entscheidungsdurchgang gegen Anna Gaiser vom baden-württembergischen TV Öschelbronn. Sienna Stelting konnte dagegen ihr erstes Hauptrundenmatch glasklar gewinnen, um dann im Achtelfinale knapp an Bao Chau Elisa Nguyen vom TTV Ettlingen zu scheitern, die später im Viertelfinale auch Lorena Morsch das Leben schwer machte. Galyna Shkalenko ließ im Hauptfeld zunächst beim 3:1 über Lucy Dutkiewicz (Sachsen-Anhalt) nichts anbrennen, musste im Achtelfinale aber gegen Koharu Itagaki an den Tisch, die erwartungsgemäß noch eine Nummer zu groß war. Etwas enttäuscht war Sophia Krießbach nach ihrem 0:3 gegen Mariia Bodnar aus dem Regionalligateam des DJK BW Annen – da hatte sich das HTTV-Talent doch mehr erhofft.

Josi Neumann erst ab dem Viertelfinale ernsthaft gefordert

Josephina Neumann war bis zum Viertelfinale in Bad Friedrichshall gar nicht gefordert und spielte Katz und Maus mit ihren Gegnerinnen. Dann aber traf sie auf die sehr clever spielende Defensivkünstlerin Lisa Wang vom 1. FC Saarbrücken und musste erstmals im Turnier in den Kampfmodus schalten, nachdem die Saarländerin urplötzlich einen 0:2-Satzrückstand egalisiert hatte. Im fünften Durchgang hatte die Turnierfavoritin das Geschehen aber wieder im Griff und gewann mit 11:7. Doch im Halbfinale dann die Riesenenttäuschung für die 13-Jährige aus der Wetterau: Gegen Theresa Faltermaier vom oberbayerischen TSV Schwabhausen, die technisch gewiss nicht die Möglichkeiten wie die beiden besten Hessinnen hat, aber ziemlich sicher spielte und viel zurückbrachte, lief beim 7:11, 11:6, 7:11 und 9:11 nicht allzu viel zusammen. Zudem hatte die junge Bayerin noch das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite in Form einiger Netz- und Kantenbälle in entscheidenden Situationen, was ihre starke Turnierleistung aber nicht schmälern soll. Josi Neumann jedenfalls musste sich also überraschend im Mädchen-Einzel mit Bronze begnügen.

Lorena Morsch mit unglücklicher Finalniederlage nach Halbfinal-Topleistung gegen Itagaki

Lorena Morsch zeigte ihr bestes Turnierspiel im Halbfinale gegen Koharu Itagaki, die sie zum ersten Mal in ihrer jungen Karriere bezwingen konnte. Beim Top 12-Bundesranglistenfinale hatte die Langstädterin, die in den letzten Wochen auch in der 2. Liga stark auftrumpfte, dieses Duell noch verloren. Der Weg schien frei für die Titelverteidigung, doch da hatte die Hessin die Rechnung ohne den Wirt, sprich Theresa Faltermaier, gemacht, gegen die sie trotz ihrer spielerischen Möglichkeiten im Finale den Sack einfach nicht zumachen konnte. Im Entscheidungssatz konnte Morsch eine 8:4-Führung nicht ins Ziel bringen. Aus der Traum!

Gold im Doppel für Neumann/Morsch als „Entschädigung“

Im Mädchen-Doppel erspielten sich Lorena Morsch und Josi Neumann anschließend eine Entschädigung. Trotz des Frusts aus dem Einzel boten die beiden topgesetzten Hessinnen, Bronzemedaillen-Gewinnerinnen bei der Jugend-EM 2022 in Belgrad, eine Topleistung und gaben auf dem Weg ins Finale nur einen einzigen Satz ab. Und im Spiel um den Titel ließen sie Anna Gaiser und Bao Chau Elisa Nguyen (Oschelbronn/Ettlingen - TTBW) beim 3:0 keine Chance.

Lorena Morsch ging dennoch das „vergeigte“ Einzel-Finale nicht aus dem Kopf: „Wenn mir einer vor dem Turnier gesagt hätte, dass ich drei Medaillen gewinne und Zweite im Einzel werde mit Sieg gegen Itagaki, hätte ich das sofort unterschrieben, aber nach 2:2 und 8:4 im Einzelfinale noch zu verlieren, da bin ich schon schwer enttäuscht, auch wenn ich alles in allem ein sehr gutes Turnier gespielt habe.“

Das fehlende i-Tüpfelchen – Stimmen zum Abschneiden der jungen HTTV-Asse

„Das Gesamtergebnis ist sicher in Ordnung für uns, nur leider fehlte das I-Tüpfelchen“, gab Verbandstrainerin Katharina Sabo kurz nach Turnierende zu Protokoll. „Wir haben im Vorfeld natürlich auf den Titel im Mädchen-Einzel gehofft. Hier haben wir sowohl im Halbfinale von Josi Chancen liegen lassen als auch im Finale durch Lorena nach ihrem starkem Halbfinalsieg über Itagaki. Es wirkte, wie wenn sie im Finale dann Angst hatte vor dem Gewinnen.“ HTTV-Ressortleiter Jugendsport Reiner Richardt-Stock war nicht entgangen, dass Lorena Morsch „bei 8:4 im fünften Satz im Finale etwas nervös geworden“ sei, während sie zuvor im gesamten Turnier kaum Nervosität gezeigt habe.

„Mit fünf Medaillen sind wir natürlich prinzipiell zufrieden, wobei wir ja im weiblichen Bereich in jeder Disziplin zum Favoritenkreis gezählt hatten. Daher sind wir schon traurig, den Einzeltitel nicht gewonnen zu haben, besonders nach dem Verlauf des Finales von Lorena“, bilanzierte Verbandstrainer Tobias Beck. „Aber herausragend war ihr allererster Sieg im Halbfinale gegen Koharu Itagaki, die die bisherigen nationalen Turniere dominiert hatte. Für Josi war es eine schwierige Ausgangslage, da sie schwer unter Stress stand, bei ihrem ersten nationalen Auftritt die hohen Erwartungen zu erfüllen. Aber das gehört zum Reifeprozess dazu und wird sie in ihrer Entwicklung weiter voran bringen.“ Becks Sonderlob galt der tadellosen Leistung der beiden im Doppel: „Trotz allem Hut ab vor der souveränen Vorstellung im Doppelfinale nach den beiden Enttäuschungen im Halbfinale von Josi und im Finale von Lorena.“

Der Verbandstrainer fügte abschließend hinzu: „Für die "Jüngeren" galt es auch, Erfahrung auf der nationalen Ebene, für einige war es die erste bei Deutschen Meisterschaften überhaupt, zu sammeln und die Eindrücke für die zukünftigen Trainingseinheiten und Wettkämpfe mitzunehmen. Sieben Spieler*innen können mindestens noch einmal teilnehmen. Es waren viele positive Ansätze zu sehen und es wächst eine Generation heran, die auch Spaß an "harter" Trainingsarbeit hat.“

Am 29. und 30. April in werden in Lehrte/Hannover die Deutschen Meisterschaften Jugend 19 ausgetragen - der nächste Höhepunkt im nationalen Jugendbereich.

 

Kurzübersicht: Ergebnisse der Halbfinals und Endspiele 

Jungen-Einzel, Finale 

Noah Hersel – Matej Haspel 3:1

Halbfinale

Noah Hersel – Friedrich Kühn von Burgsdorff 3:2

Matej Haspel – Johann Magnus Mahl 3:1

Mädchen-Einzel, Finale 

Theresa Faltermaier – Lorena Morsch 3:2 

Halbfinale

Theresa Faltermaier - Josephina Neumann 3:1

Lorena Morsch – Koharu Itagaki 3:1 

Jungen-Doppel, Finale

Matej Haspel/Noah Hersel – Luke Jalaß/Tien Nghia Phong 3:2

Halbfinale

Matej Haspel/Noah Hersel – Friedrich Kühn von Burgsdorff/Danielus Galatiltis 3:1 

Luke Jalaß/ Tien Nghia Phong - Ole Kaspers/Phil Schweitzer 3:1

Mädchen-Doppel, Finale 

Lorena Morsch/Josephina Neumann - Anna Gaiser/Bao Chau Elisa Nguyen 3:0

Halbfinale

Josephina Neumann/Lorena Morsch – Faustyna Stefanska/Laura Milos 3:1

Anna Gaiser/Bao Chau Elisa Nguyen – Theresa Faltermaier/Koharu Itagaki 3:1

Mixed, Finale 

Noah Hersel/Josephina Neumann – Matej Haspel/Koharu Itagaki 3:1

Halbfinale

Noah Hersel/Josephina Neumann – Mathis Albers/Faustyna Stefanska 3:0

Matej Haspel/Koharu Itagaki - Tom Wienke/Lorena Morsch 3:2

 

Teilnehmer, Auslosungen und Ergebnisse der DEM Jugend 15 am 11./12.03.2023:

https://www.tischtennis.de/mkttonline.html?mkttid=f763c1ca

Sieg im Mixed für Josephina Neumann und Noah Hersel ©Dr. Stephan Roscher
Souveräner Sieg im Doppel: Lorena Morsch und Josephina Neumann ©Dr. Stephan Roscher

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