Zum 800sten Mal jährt sich in diesem Jahr die urkundliche Ersterwähnung der kleinen Ortschaft Anzefahr. Seit gut zweieinhalb Jahren planen daher die Bürgerinnen und Bürger des rund 750 Einwohner zählenden Dörfchens ihr Jubiläumsjahr. Nach dem erfolgreichen ersten Festwochenende im März steht über das Fronleichnamswochenende das zweite Festwochenende mit vielen Veranstaltungen und einem Höfefest am Sonntag, den 7. Juni als Abschluss auf dem Programm.
Mit von der Partie ist auch der ansässige Tischtennisverein. 1952 gegründet, ist der Verein als Tischtennisdörfchen weit über die Grenzen des Landkreises bekannt. Aktuell hat der Verein 12 Mannschaften und eine gute Vereinsgemeinschaft und so ist es für die Mitglieder des Vereins selbstverständlich, sich bei den Feierlichkeiten zu engagieren. Aber mit welchem Programm? Eine erste, ganz nüchterne Idee aus Vorstandskreisen: Präsenz zeigen, vielleicht mit ein paar Tischtennistischen. Solide? Ja. Besonders? Eher nicht.
Von der Schnapsidee zum Großprojekt
Statt einfach nur ein paar Tische aufzustellen und klassisch für den Verein zu werben, reifte an einem langen, geselligen Abend eine außergewöhnliche Idee: „Wir wollten etwas machen, das hängen bleibt, etwas, was die Menschen im Dorf verbindet und etwas, was auch verrückt sein darf“, erzählt der erste Vorsitzende des Vereins Oliver Groß, der den Rekordversuch mit organisiert. Da sich lange Ballwechsel am Stück schwierig gestaltet hätten und für den schnellsten Ballwechsel die spielerischen Fähigkeiten fehlen, fiel die Wahl auf die längste Tischtennisstaffel am Stück. Die Recherche führte schnell zu bestehenden Bestmarken – und zu einer klaren Zielsetzung: 210 Stunden Tischtennis nonstop, also 8 Tage und 18 Stunden ohne Pause.
Nach einigen Tagen Bedenkzeit informierte der Vorstand seine Mitglieder über diesen Plan. Die Reaktionen waren erstaunlich einheitlich: „Das ist total bescheuert … aber genial. Und es passt perfekt zu unserem Verein!“
Spätestens auf der Spielersitzung am 15.12.2025, bei der eine überwältigende Zustimmung signalisiert wurde, war klar: Der TTC Anzefahr zieht das durch. Auch aus dem Dorf und weit darüber hinaus erreichte den Verein viel Zuspruch. Der Plan ist ambitioniert, aber nach Vorstellung des Vereins machbar – mit der richtigen Unterstützung.
Der Plan: Von Freitagabend (29. Mai, ca. 19.30 Uhr) bis Sonntagmittag (7. Juni) soll rund um die Uhr gespielt werden – an einem Tisch, durchgehend, ohne Unterbrechung. Angemeldet ist der Rekordversuch beim Deutschen Rekordinstitut.
Aktuell plant der Verein mit einem kleinen Kernteam, hat aber auch einen „Schattenplan“ in der Hinterhand, falls etwas nicht wie gewünscht läuft. Denn die Herausforderungen sind enorm: Für die Anerkennung als Rekord müssen zusätzlich durchgehend zwei unabhängige Zeugen vor Ort sein, die selbst nicht mitspielen dürfen. Dies bedeutet, dass zu jeder Zeit fünf bis sechs Personen anwesend sein müssen, um zu spielen oder um zu bezeugen, dass auch tatsächlich gespielt worden ist. In Summe müssen rund 1.000 Menschen zusammenkommen, wenn der Rekordversuch tatsächlich klappen soll.
Festzelt, Livestream und Wettbewerb
Gespielt wird in einem eigenen Zelt auf dem Festgelände mit Spielbereich, Aufenthaltszone und Livestream: Eine Marburger Software-Firma bindet die Aktion per Video direkt auf der Vereins-Homepage ein – inklusive Rankings und Scoring.
Mitmachen kann jeder: Ob jung oder alt, Anfänger oder Vereinsspieler, Einzelperson oder Gruppe: Alle sind herzlich eingeladen, Teil dieses einmaligen Projekts zu werden. Spiel-Slots können flexibel auf der Vereinshomepage gebucht werden. Und es gibt Anreize: Der Verein mit den meisten Teilnehmern und mit den meisten gespielten Stunden staubt Bierfässer oder Pokale ab. Auch die Spieler mit der weitesten Anreise sollen ermittelt und geehrt werden. Zusätzlich werden unter allen Aktiven hochwertige Tischtennisartikel verlost.
Das Projekt wächst stetig. Medieninteresse ist bereits vorhanden. Der hessische Rundfunk wird am Sonntag mit einem Filmteam das Höfefest und den Rekordversuch begleiten. Gleichzeitig ist noch einiges zu tun: „Mehr als die Hälfte der Slots ist schon vergeben, aber wir brauchen noch weitere Teilnehmer. Wer Lust hat mitzumachen, ist herzlich willkommen sich anzumelden. Es wäre nur gut, wenn die Leute dann auch wirklich vorbeikommen“, appelliert Groß mit Blick auf das Risiko. Auch eine spontane Teilnahme ist möglich.
Mehr als nur ein Spiel
Begleitet wird der Weltrekordversuch von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm. Ein Highlight ist das Treffen „PingPong Parkinson“ am Donnerstag, 4. Juni, von 16:00 bis 20:00 Uhr in Kooperation mit dem TTC 1951 Ginseldorf. Hier sind insbesondere Menschen mit Parkinson eingeladen, selbst aktiv zum Schläger zu greifen und miteinander in den Austausch zu treten. Zudem ist eine Veranstaltung zum Para-Tischtennis in Planung, die zeigt: Tischtennis ist ein Sport für alle – unabhängig von Alter oder körperlicher Verfassung.
Ergänzt wird das Angebot durch einen Tischtennisshop, der tagsüber geöffnet ist und u.a. zum Testen verschiedener Schläger einlädt.
Umfangreiches Festprogramm
Auch abseits der Tischtennisplatte ist für ein abwechslungsreiches Programm gesorgt. Der Weltrekordversuch ist fest in das Programm des 800-jährigen Ortsjubiläums eingebettet und soll seinen krönenden Abschluss beim Höfefest am 7. Juni finden – im Idealfall mit einem neuen Weltrekord.
Vor und nach den Spielzeiten erwartet die Besucher ein vielseitiges Programm So kann unter anderem das Heeresmusikkorps Kassel, der Planet Radio Discoabend mit Nize-T, die Münchener Zwietracht sowie der Oberhessische Sechskampf erlebt werden. Das vollständige Programm ist unter www.anzefahr800.de zu finden.
Alles aus Spaß – mit offenem Ausgang
Trotz aller Vorbereitungen und Mühen soll am Ende der Spaß bei diesem Weltrekordversuch im Vordergrund stehen. „Wir versuchen unser Glück und wissen noch nicht, wo es hinführt. Wenn es klappt, freuen wir uns riesig. Wenn nicht, wird der Frust eben gemeinsam weggefeiert“, sagt Oliver Groß mit einem Lächeln und freut sich auf die bevorstehende Veranstaltung.
Eines steht fest: Dieser Weltrekordversuch ist schon jetzt ein außergewöhnliches Projekt – und ein starkes Zeichen dafür, was in einem kleinen Dorfverein alles möglich ist.
Alle Informationen zu dieser Weltrekordidee findet ihr unter www.ttc-anzefahr.de/weltrekord






